Anita

Nachdem ich mich in der 1. Klasse standhaft geweigert hatte, das Schreiben und Lesen zu lernen, konnte ich ab der 2. Klasse den Stift kaum noch aus der Hand legen. Ich beschmierte alles, was sich beschreiben ließ, mit eigenen Geschichten. Und wenn ich nichts zum Schreiben hatte, dann erzählte ich den anderen Kindern, meist jüngeren, Geschichten, die ich im selben Moment erfand. Noch heute erinnere ich mich gern daran, wie gläubig die Kinder an meinen Lippen hingen. Mit der Zeit begann meine Mutter, die selbst schrieb, meine Geschichten aufzuheben, und sie half mir später auch, sie so umzuschreiben, dass ein Märchenbuch daraus wurde.

Es gab während meiner Kindheit nur drei Berufe, die mich wirklich interessierten. Ich war fest entschlossen, entweder Schriftstellerin, Archäologin oder Höhlenforscherin zu werden.

Die Wirklichkeit sah dann allerdings etwas anders aus. Ich wurde Bürokauffrau, was mich jedoch nicht hinderte, in jeder freien Minute zu schreiben. 

Vor rund dreißig Jahren konnte ich mir dann endlich meinen Wunsch erfüllen. Ich wurde freiberufliche Autorin, was ich niemals bereut habe.

Jeder, der in diesem Metier arbeitet, wird wissen, wie schwer es ist, sich mit Schreiben seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Mir gelingt es auch nur, in dem ich unter verschiedenen Pseudonymen Heftromane schreibe, etwas, was ich sehr gern tue, denn es macht großen Spaß meine Helden für eine kurze Zeit durch ihr Leben zu begleiten. Besonders gern schreibe ich Romantik-Thriller. Daneben sind in den vergangenen Jahren Kurzgeschichten, Kinder- und Jugendbücher, sowie Romane für Erwachsene meiner ‘Feder’ entsprungen.

Tiere

Mohrchen, der Gefährte meiner ersten Kindheitsjahre.
Gezeichnet 1956 von meiner Mutter, Margarete Friedrich

Trixi begleitete 13 Jahre unser Leben.

Sie hat zwei Umzüge gut überstanden und begleitete uns sogar in den Urlaub.

Noch heute bedrückt es uns, dass wir nicht wissen, was aus ihr geworden ist.
Eines Tages kam sie nicht mehr nach Hause.

Pucky trat 1972 als Welpe aus dem Tierheim in unser Leben.

Zusammen mit Roni begleitete er uns viele Jahre durch die Länder Südeuropas und sogar nach Israel.

Er gehört zu den Akteuren im Kinderbuch ‚Der Findelhund – 4 Pfötchen suchen eine Heimat‘

Roni fanden wir im September 1973 als etwa vier bis fünf Tage alten Welpen auf einem Parkplatz vor Athen. Wie nannten sie Ronit, das bedeutet Lebensfreude, woraus mit der Zeit Roni wurde.

Sie bescherte uns eine neue, bedeutend schönere Wohnung, weil unseren Mitbewohnern zwei Hunde in einer Familie nicht zusagten.

Roni  gehört zu den Akteuren im Kinderbuch ‚Der Findelhund – 4 Pfötchen suchen eine Heimat‘. Über Roni sind mehrere Artikel und Kurzgeschichten erschienen. Sie und Pucky waren dicke Freunde.

Leider litt sie an Krebs und wurde nur knapp neun Jahre alt.

Tosi kam 1982 aus dem Tierheim zu uns.

Pucky und er wurden gute Freunde und fast unzertrennlich. Tosi starb im Alter von zehn Jahren an Nierenversagen.

Wir wollten unbedingt wieder eine größere Hündin haben und so kam Tali 1984 zu uns.

Sie war fünf Monate alt, als wir sie aus dem Tierheim holten. Im Tierheim hieß sie Tapsi, weil sie sich kaum auf den Beinen halten konnte. Sie hatte Rachitis, die nach richtiger Behandlung verschwand. Wir nannten sie Tali, das bedeutet Tautropfen. Mit ihrer liebenswerten Art eroberte sie alle Herzen.

Tosi, Pucky und sie wurde gute Freunde.  In ihrer Jugend hatte Tali einen Autounfall, der sich Jahre später auswirkte. Innerhalb kurzer Zeit wurde sie völlig gelähmt. Uns blieb nichts anderes übrig, als sie einschläfern zu lassen.

Amir, der Weise, war vermutlich schon zehn oder elf Jahre alt, als wir ihn zu uns holten. Leider ist er bei uns nie richtig heimisch geworden, obwohl wir alles taten, um ihm ein schönes Zuhause zu bieten. Er starb an Nierenversagen.

Ari, geb. 15.10.89, wurde fast sechzehn Jahre alt. Seine Mutter war eine Dackeldame, sein Vater ein Hovawart. Es geschah, als die Besitzer der Dackeldame im Urlaub waren. Sie brachte per Kaiserschnitt drei Welpen zur Welt. Ari war mit 1100 Gramm noch größer als seine Geschwister. Wir bekamen ihn, als er drei Monate zählte, und nannten ihn Ari, Löwe.

Ari wurde von uns und der ganzen Nachbarschaft geliebt. Als er am 4.5.2005 starb, war es für uns, als würde die Welt untergehen.

Unseren Billy aus Korfu  hatten wir leider nur vier Monate. Er starb nicht an seiner Leishmaniose, sondern an einer Bleivergiftung, verursacht durch etwas 50 Schrottkugeln in seinem Körper. Man muss auf Korfu mehrmals auf ihn geschossen haben.

Wir sind glücklich, dass wir ihn kennenlernen durften.

Nach Billis Tod schworen wir uns, unser Herz nie wieder an einen Hund zu hängen. Aber es kam anders. Petra Conrad, die Besitzerin des Tierpflegenestes in Backnang, schickte uns Bilder eines geschundenen Welpen. Wir konnten nicht anders, wir nahmen Terry im November 2005 bei uns auf. Er stammt aus Saloniki in Griechenland und ist aus unserem Leben nicht mehr fortzudenken.

Über die ersten Jahre mit Terry und unsere Erfahrungen mit einem völlig traumatisierten Hund habe ich den Artikel ‚Terry, unser Traumhund‘ geschrieben.

Interview

Interview Sandra Uschtrin – Anita Friedrich 2009

Werdegang
Sie haben über tausend Heftromane geschrieben. Worum ging es bei Ihrem letzten?

Celine, eine junge Witwe, lernt etwa ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes Felix Marquard kennen, der mit seiner kleinen Nichte in einem alten Schloss lebt, das er gekauft hat. Sie verlieben sich ineinander, obwohl sie der Meinung ist, kein Recht auf eine neue Liebe zu haben. Sie kann ihren verstorbenen Mann nicht vergessen. Felix tut alles, um die junge Frau vom Gegenteil zu überzeugen. Jutta, Celines Schwägerin, will unter allen Umständen eine Verbindung zwischen Celine und Felix zu verhindern. Dafür ist ihr kein Trick zu schmutzig.

Ein paar Fragen en bloc: Wie viele Normseiten (30 Zeilen à 60 Anschläge) hat ein 64-seitiger Heftroman bei Ihnen und wie viele Tage beziehungsweise Stunden benötigen Sie in etwa pro Manuskript? Unter welchem Pseudonym, in welcher Heftreihe und in welchem Verlag wird dieser Roman erscheinen? Für welche Heftreihen und Verlage schreiben Sie unter welchen Pseudonymen außerdem und für welche haben Sie geschrieben?

Ich schreibe bei einem normalen Heftroman meistens zwischen 93 und 95 Seiten. Durchschnittlich benötige ich dazu zehn bis zwölf Tage bei einer Arbeitszeit von täglich sechs bis sieben Stunden. Seit zwei Monaten diktiere ich die Romane mit

der neuen Version des Dragon (Dragon 10) einem sehr guten Diktierprogramm, direkt in den Computer und korrigiere am Ende eines Tages noch im Diktierprogramm die Schreibfehler, die vom Programm gemacht wurden – inzwischen habe ich eine Erkennungsgenauigkeit von ca. 95 Prozent erreicht. Wenn der Roman fertig ist, korrigiere ich ihn noch einmal sehr genau, das heißt, ich lasse das Rechtschreibprogramm durchlaufen, nehme noch notwendige Änderungen vor und achte darauf, dass Wörter, die ich gewohnheitsmäßig häufig verwende, nicht zu oft erscheinen (aber, doch, dann, wieder, etwas, jetzt, immer usw.).

Der Roman wird unter dem Pseudonym „Martina Linden“ in einer neuen Silvia-Reihe des Bastei-Verlags erscheinen. Dazu muss gesagt werden, dass momentan bei Bastei einiges in der Schwebe hängt, denn es ist noch ungewiss, wie es bei diesem Verlag mit Heftromanen weitergeht. Die Meinungen dazu gehen weit auseinander.

Für Kelter schreibe ich momentan Romane für die verschiedenen Fürstenreihen und ab und zu auch ein „Gaslicht“ und „Irrlicht“, sowie True Storys. Vor einigen Jahren habe ich für Kelter fast allein die Serie „Der Arzt am Tegernsee“ geschrieben. Bei Kelter erscheinen meine Romane unter Anne Alexander, Laura Martens und Dinah Kayser.

Früher habe ich für den Marken Verlag, der keine Hefte mehr herausgibt, unter dem Pseudonym „Anita Falk“ Adelsromane, Mutter-Kind-Romane, Arztromane und die Reise-Serie „Das Traumschiff“ sowie „Die Astrologin“ geschrieben. Für den Pabel-Moewig Verlag waren es „Chefarzt Dr. Anders“, „Dr. Prack“, „Die Waldklinik“, „Sophienlust“, „Gaslicht“ und ganz am Anfang auch allgemeine Liebesromane. Pseudonyme waren: Anne Alexander, Dinah Kayser und verschiedene Sammelpseudonyme.

Warum gibt es in dieser Branche Pseudonyme? Bedauern Sie es manchmal, nicht unter „Anita Friedrich“ zu veröffentlichen?

Ich glaube, dass Pseudonyme gerade bei Heftromanen wichtig sind, weil viele Autorennamen nicht zu den Romanen passen, die geschrieben werden. Anita Friedrich auf einem Romantik-Thriller, der in England spielt, würde etwas seltsam klingen. Außerdem sind Pseudonyme auch ein gewisser Schutz, so empfinde ich es wenigstens. Im Laufe der Jahre habe ich festgestellt, dass viele Leser einfach nicht wahrhaben wollen, dass es sich um erfundene Geschichten handelt. Eine meiner Kolleginnen hat einer Nachbarin einen ihrer Romane gegeben, um eine Woche später zu hören: „Bei Ihnen muss es ja zugehen!“

Natürlich bedauere ich es manchmal, dass ein Heftroman, den ich als besonders gelungen betrachte, nicht unter meinem eigenen Namen veröffentlicht wird, doch damit muss man eben leben.

Seit wann schreiben Sie Heftromane? Wie kamen Sie auf die Idee, Heftromane zu schreiben?

Nachdem ich mich in der 1. Klasse standhaft geweigert hatte, Schreiben und Lesen zu lernen, konnte ich ab der 2. Klasse den Stift kaum noch aus der Hand legen. Ich beschmierte alles, was sich beschreiben ließ, mit eigenen Geschichten. Und wenn ich nichts zum Schreiben hatte, dann erzählte ich den anderen Kindern, meist jüngeren, Geschichten, die ich im selben Moment erfand. Noch heute erinnere ich mich gern daran, wie gläubig die Kinder an meinen Lippen hingen. Mit der Zeit begann meine Mutter, die selbst schrieb, meine Geschichten aufzuheben und sie half mir später auch, sie so umzuschreiben, dass ein Märchenbuch daraus wurde. Es gab während meiner Kindheit nur drei Berufe, die mich interessierten. Ich war fest entschlossen, entweder Schriftstellerin, Archäologin oder Höhlenforscherin zu werden.

Die Wirklichkeit sah dann allerdings etwas anders aus. Ich wurde Bürokauffrau, was mich jedoch nicht hinderte, in jeder freien Minute zu schreiben. Es entstanden zahlreiche Reiseberichte und Artikel für die verschiedensten Zeitungen und Zeitschriften, Kurzromane für „Das Goldene Blatt“ usw.

Heftromane schreibe ich seit etwa 1972. Damals lernte ich durch die Interessengemeinschaft deutschsprachiger Autoren (IGdA), der ich beigetreten war, eine Kollegin kennen, die in unserer Nähe lebte. Wir beschlossen, gemeinsam einen Heftroman für den Pabel-Moewig Verlag zu schreiben, um etwas dazu zu verdienen. Das Werk gelang, wurde von meiner Mutter, die seit einigen Jahren für den Kelter-Verlag schrieb, korrigiert und weggeschickt. Wir hatten Glück, der Roman wurde angenommen. Unserer Zusammenarbeit verdanken noch sechs weitere Heftromane der „Mutti-Reihe“ ihre Existenz. Dann erkannten wir, dass wir genug Erfahrung gesammelt hatten, um nun allein weiterzuschreiben. Jahrelang schrieben wir für dieselben Reihen, bemühten uns jedoch auch, noch bei anderen Verlagen unterzukommen, was gelang.

Als ich 1978 feststellte, dass ich vom Schreiben leben kann, habe ich meinen Büroberuf aufgegeben und mich als Schriftstellerin selbständig gemacht. Es war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Natürlich können die wenigsten Schriftsteller Reichtümer ansammeln, auch wenn das viele Leute glauben. Doch dank der Heftromane kann ich von meinem Beruf, wenn auch nicht immer frei von Geldsorgen, leben.

Wenn man etwas zum ersten Mal tut, begleiten einen oft Zweifel: Kann ich das? Werde ich den Anforderungen genügen? Womit hatten Sie damals als Anfängerin in Sachen Heftromane-Schreiben zu kämpfen?

Ich habe meine Zweifel niemals verloren. Bei jedem Roman, den ich schreibe, frage ich mich, ob er auch gut genug ist, um den kritischen Augen der Lektorin und der Leser zu genügen. Aus diesem Grund korrigiere ich vermutlich mehr, als es nötig wäre.

Was muss und kann man beim Schreiben von Heftromanen lernen? Was muss man können, um eine gute Arbeit abzuliefern?

Beim Schreiben von Heftromanen lernt man viel über Logik, einen sauberen Handlungsablauf und auch, den Text in 95 Manuskriptseiten unterzubringen. Das ist manchmal gar nicht so leicht. Natürlich sollte man auch eine ganze Menge Fantasie mitbringen und sich in andere Menschen hineinversetzen können. Gerade der letzte Punkt ist das A und O eines Heftromans. Nur wenn man mit seinen Helden mitfühlt, kommt der Roman glaubhaft rüber. Wichtig ist auch die Recherche. Wie wichtig die Recherche ist, habe ich vor etwa zwanzig Jahren einmal eindrücklich festgestellt, als ich einen „Sophienlust“-Roman geschrieben habe. Meine Heldin ging mit ihren Kindern in die Stuttgarter Wilhelma (Zoo). Ich erwähnte einen Eisbären. Später schrieb eine Leserin an den Verlag, dass es in der Wilhelma keine Eisbären geben würde. So etwas ist sehr peinlich!

Sie schreiben nicht nur Heftromane, sondern auch Kinder- und Jugendbücher. Gibt es zwischen den beiden Genres Gemeinsamkeiten? Was ist ähnlich, was ist anders?

Bei Kinder- und Jugendbüchern muss man noch genauer arbeiten, als man es bei einem Heftroman tun sollte. Die Recherchen dauern (je nach Buch) bedeutend länger und der Ton eines Kinder- oder Jugendbuches ist anders als bei einem Heftroman. Ähnlich ist nur die Arbeitsweise. In meinen Kinder- und Jugendbüchern geht es um Dinge, die mich wirklich berühren und zum Teil auch passiert sind, während die Geschichten in den Heftromanen nur in ihrem Kern den Tatsachen entsprechen, meistens nicht einmal das.

Wenn Sie die Wahl hätten und Zeit und Geld keine Rolle spielten, würden Sie dann lieber einen Roman für Jugendliche oder einen neuen Heftroman schreiben?

Ich würde lieber einen Roman für Jugendliche schreiben, weil ich da noch sehr viele Ideen habe, die ich gern verwirklichen würde. Außerdem arbeite ich zurzeit an einem Familienroman, der in Cornwall spielt und sich über mehrere Generationen hinzieht. Leider fehlt mir meistens die Zeit, um mich ihm zu widmen.

Verdienst und Honorare

Womit verdienen Sie mehr: mit Ihren Kinder- und Jugendbüchern oder mit Ihren Heftromanen?

Mit Kindern- und Jugendbüchern kann man, es sei denn, man hat einen großen Namen, nicht sehr viel verdienen. Meinen Lebensunterhalt verdiene ich mit Heftromanen.

Es ist Ende Juni ?, die Hälfte des Jahres ist um. Wie viele Heftromane haben Sie in diesem Jahr bereits geschrieben? Wie viel verdienen Sie pro Heftroman?

Ich habe in der ersten Jahreshälfte zwölf Romane geschrieben. Für einen Heftroman bekomme ich je nach Verlag zwischen 650 und 850 Euro. Dazu kommen noch Nachdruckhonorare für frühere Romane. Der Pabel-Moewig Verlag, der seine Frauenromanreihen eingestellt hat, hat sehr gut bezahlt. Beim Marken Verlag habe ich bereits in den achtziger Jahren 1.700 DM für einen Roman erhalten. Honorarerhöhungen gibt es so gut wie nie. In den letzten Jahren noch weniger als in den Jahren zuvor, was natürlich bedeutet, dass der Verdienst, gemessen an Preissteigerungen und Lohnerhöhungen in der Wirtschaft, immer weniger wird.

In Bezug auf die Honorare für Heftromane liegen mir folgende Informationen vor: Bastei zahle für Frauenromane ca. 620 Euro (bei den großen Serien wie „Dr. Stefan Frank“ etwas mehr), für Männerromane in der Regel 720 Euro (bei den großen Serien wie „Jerry Cotton“ ab 900 Euro aufwärts). Kelter zahle grundsätzlich 765 Euro; langjährige Autorinnen und Autoren erhielten bei beiden Verlagen ein etwas höheres Honorar. Bei Nachdruck gebe es bis zu 50 Prozent Nachdruckhonorar. Bei Perry Rhodan(Pabel-Moewig Verlag) gebe es erheblich mehr, und zwar etwa 2.000 Euro. Können Sie, Frau Friedrich, das so bestätigen?

Ja, das kann ich bestätigen. Für Nachdrucke gibt es allerdings meistens nur 250 Euro, also nicht 50 Prozent des früheren Honorars.

Stimmt es, dass Heftromane für Frauenreihen demnach schlechter bezahlt werden als Heftromane für Männerreihen?

Ja, soweit ich inzwischen erfahren habe, werden Heftreihen für Frauenromane schlechter bezahlt als Männerreihen. Wie man mir sagte, erhalten jedoch Männer, die für Frauenreihen arbeiten, auch ein höheres Honorar. Ob das so stimmt, weiß ich nicht.

Wie waren die Honorare vor 30 Jahren (1975), vor 20 Jahren (1985), vor zehn Jahren (1995)? Haben sich die Honorare erhöht und wenn ja, um wie viel?

Der Marken Verlag hat immer sehr gut bezahlt. Ich habe dort 1978 mit 1.200 DM angefangen und hatte zuletzt 1.700 DM pro Roman.

Auch der Pabel-Moewig Verlag hat stets gut bezahlt. Bei Bastei hat es seit etwa 1992 keine Honorarerhöhung mehr gegeben. Im Verhältnis zum Bastei Verlag bezahlt Kelter seine Autoren gut. Beim Kelter Verlag gibt es regelmäßig Nach-drucke früherer Romane und dafür das entsprechende Honorar. In den letzten Jahren habe ich auch vom Bastei-Verlag Nachdruckshonorare erhalten.

Wenn Sie die Stunden zusammenrechnen, die Sie brauchen, um einen Heftroman zu schreiben und zu verkaufen, auf welchen Stundensatz kommen Sie dann als freie Schriftstellerin?

Mein Stundensatz beträgt ca. 12 Euro. Nachdrucke nicht eingerechnet!

Finden Sie, dass Ihre Arbeit als Heftroman-Autorin angemessen honoriert wird?

Ich hätte nichts gegen ein höheres Honorar einzuwenden.

Arbeitsweise und Zusammenarbeit mit den Verlagen

Zurück zu Ihrem letzten Heftroman: Wie viele Autorinnen und Autoren schreiben außer Ihnen für diese Reihe? Gibt es von Seiten der Redaktion Vorgaben, was in der Reihe vorkommen darf und was nicht, Stichwort Tabus? Was zum Beispiel wäre „falsch“?

Leider kann ich nicht sagen, wie viel Autoren für die neue Silvia-Reihe arbeiten. Meistens sind es pro Reihe aber nicht mehr als zehn. Bei Silvia sollten die Romane in der gehobenen Mittelschicht spielen, gern auch in niederen Adelskreisen und auf Gütern. Liebesszenen soll es geben, jedoch keine Erotik.

Bei Fürstenromanen muss es der höhere Adel sein. Herzog, Fürsten, Prinzen…

Die Sprache sollte etwas angepasst sein, jedoch nicht altmodisch. Natürlich ist ein Happy End erwünscht. Schauplatz dieser Romane ist die ganze Welt. Politik darf nicht vorkommen.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Verlagen? Kennen Sie die Leute in den Redaktionen persönlich?

Die Lektoren kenne ich nur zum Teil persönlich. Normalerweise werden alle Absprachen am Telefon getroffen. Ich selbst habe mit keinem der Verlage schlechte Erfahrungen gemacht. Die Zusammenarbeit ist gut, oft freundschaftlich. Gibt es bei der Handlung eines Romans Fragen oder Probleme, genügt ein Anruf zur Klärung.

Ein neuer Heftroman soll entstehen. Schreiben Sie einfach drauflos oder besprechen Sie sich vorab mit Ihrer Lektorin?

Ich schreibe als erstes ein Exposé von etwa vier bis fünf Seiten Länge. Auf der ersten Seite stehen der Titel und die Hauptpersonen mit ihrem Aussehen und was für sie wichtig ist. Im Exposé wird chronologisch die Handlung des Romans festgelegt. Das Exposé muss von der Lektorin abgesegnet werden. Manchmal werden auch noch Änderungen im Handlungsablauf nötig und besprochen.

Nach diesem Exposé lege ich die einzelnen Kapitel des Romans fest. Ich schreibe zu jedem Kapitel etwa eine halbe Seite, manchmal mehr, mit allen notwendigen Informationen, die ich zum Diktieren benötige. Es hält sehr auf, wenn man während des Diktierens erst die Fakten zusammentragen muss. Einzelheiten über die Personen, die im Roman vorkommen, schreibe ich auf Zettel. Selbst bei Nebenpersonen ist das wichtig, damit es zu keinen Verwechslungen kommt.

Werden die Inhalte von der Redaktion vorab skizziert und Ihnen vorgegeben, damit nicht – wie der Zufall es will – mehrere AutorInnen nacheinander Romane mit ähnlichen Inhalten (alle verlieben sich in einen behinderten Mann etc.) abliefern?

Da man vor dem Schreiben eines Romans ein Exposé an den Verlag schickt, kann es nicht zu Dubletten kommen. Der Inhalt eines Romans wird nur bei fortlaufenden Serien vom Verlag grob skizziert und auch da nur, was die vorgegebenen Personen der Serie betrifft.

Vereinbaren Sie mit der jeweiligen Redaktion, bis wann Sie welches Manuskript mit welchem Inhalt abgeliefert haben müssen? Müssen Sie sich also strikt an Abgabetermine halten?

Terminabsprachen gibt es bei Bastei. Beim Kelter-Verlag ist das nur bei Serien üblich.

Heißt das, Sie können Ihr Reihen-Manuskript abgeben, wann Sie wollen?

Es sollte in einem angemessenen Zeitraum geschehen und nicht erst nach Monaten. Sechs bis acht Wochen sind noch zu akzeptieren. Manche Autorinnen schreiben sehr langsam. Eine meiner Kolleginnen benötigt für einen Heftroman an die sechs Wochen.

Wenn Sie plötzlich krank werden oder Urlaub machen wollen, springt dann eine andere Autorin für Sie ein? Und springen Sie, umgekehrt, auch manchmal für Ihre Kolleginnen und Kollegen ein?

Ein Urlaub ist ja meistens schon Wochen vorher geplant, so dass man sich mit seiner Arbeitseinteilung darauf einrichten kann. Bei Krankheit sieht es anders aus. Wenn man eine feste Terminabsprache hat, sollte man zumindest im Verlag Bescheid sagen, dass es mit dem Termin nicht klappt. Ich selbst habe erst ein einziges Mal für eine Kollegin einspringen müssen.

Bei Perry Rhodan gibt es ein-, zweimal im Jahr Autorentreffen, die einzelnen AutorInnen kennen sich also untereinander. Ist das bei den Reihen, für die Sie schreiben, auch so? Wenn nicht: Hielten Sie das für wünschenswert?

Leider finden bei den üblichen Frauenromanreihen keine Autorentreffen statt, selbst wenn es sich um fortlaufende Serien handelt. Es wäre sehr gut, auch einmal die anderen Autorinnen einer Reihe kennen zu lernen und Erfahrungen auszutauschen. Ich bin überzeugt, es würde sich auf die Arbeit positiv auswirken. Es ist immer gut, wenn man mit jemandem über seine Arbeit sprechen kann, die eigene Familie eignet sich da meistens nicht so gut. Ich habe das Glück, dass meine beste Freundin ebenfalls Heftromane schreibt. Wir haben am Telefon schon so manches Problem unserer Romanhelden gelöst und da wir nur drei Kilometer weit voneinander entfernt wohnen, sehen wir uns auch öfters.

Berufsbild

Wie reagieren Ihre Mitmenschen, wenn sie hören, dass Sie Schriftstellerin sind und Heftromane schreiben?

Meistens ernte ich Erstaunen und oft auch Neid. Es ist noch immer so, dass viele Leute glauben, Schriftsteller würden ihr Geld zum größten Teil mit Nichtstun verdienen. Dazu kommt eine völlig falsche Vorstellung über die Honorare, die gezahlt werden. Schon vor Jahren glaubten meine Nachbarn, ich würde pro Heftroman einige tausend Mark verdienen. Ich bin mir nicht sicher, ob sie mir geglaubt haben, als ich ihnen sagte, wie sehr sie sich da irren.

Erwähne ich Fremden gegenüber, dass ich Heftromane schreibe, so sehen sie mich oft an, als würde ich nicht bis drei zählen können. Oft versichern sie mir dann, dass es natürlich Leute geben muss, die so etwas schreiben, sie selbst aber niemals ein Romanheft in die Hand nehmen würden. Meistens folgt dann die Frage: „Schreiben Sie auch noch was Anständiges?“ Gewöhnlich sind das Leute, die sich auch noch die einfältigste Fernsehserie anschauen und gar nicht genug von Talkshows bekommen können. Deshalb rege ich mich schon lange nicht mehr darüber auf. Es ist ohnehin seltsam, dass in Deutschland der Heftroman-Markt boomt, obwohl sehr viele Leute, wenn man sie fragt, niemals einen Heftroman lesen würden.

Sie sind Mitglied bei „DeLiA“, der Vereinigung deutschsprachiger Liebesroman-Autorinnen und -Autoren, die offiziell am 3. Mai 2003 gegründet wurde. Warum sind Sie dort Mitglied geworden? Was erwarten, was erhoffen Sie sich von dieser Mitgliedschaft?

Friedrich: Ich bin durch Zufall an DeLiA geraten. In meinem eMail-Postfach fand ich eine Mail mit dem Betreff „Liebesromanpreis“. Obwohl ich gewöhnlich Mails von unbekannten Absendern lösche, weil ich mir keinen Virus einfangen will, zwang mich meine Neugier, diese Mail zu öffnen. Ich habe es nicht bereut, denn dadurch lernte ich DeLiA kennen. Es war schon lange an der Zeit, dass sich Liebesroman-Autorinnen zusammenschließen. Gemeinsam kann man vieles erreichen, was allein unmöglich ist. Außerdem ist der Erfahrungsaustausch nicht zu unterschätzen.

Ihrer Vita entnehme ich, dass Sie zwar Mitglied in der IgdA, nicht aber im Verband deutscher Schriftsteller (VS) sind. Warum sind Sie nicht im VS, immerhin dem Berufsverband für Autorinnen und Autoren?

Als ich meinen ersten Jugend-Roman veröffentlicht hatte, trat ich dem VS bei. Ich habe ihn bereits nach wenigen Jahren wieder verlassen, weil mir die politische Richtung, die dort, jedenfalls damals, vertreten wurde, nicht gefällt. Inzwischen bin ich auch nicht mehr Mitglied der IGdA. Heftroman-Autorinnen werden dort, milde ausgedrückt, von den meisten Mitgliedern belächelt. Es ist auffallend, dass gerade Autoren, die es noch nicht geschafft haben, mit ihren Werken einen Verlag zu finden, auf Heftroman-Autoren heruntersehen. Irgendwann wird man müde, den anderen immer zu versichern: „Ich schreibe auch noch andere Sachen.“ Außerdem sehe ich nicht ein, weshalb ich mich ständig wegen meiner Heftromane rechtfertigen soll. Ich schreibe gern Heftromane und mache damit vielen Menschen Freude.

Absicherungen, Altersvorsorge

Patricia Vandenberg, Heftroman-Autorin der mit über 120 Millionen verkauften Exemplaren angeblich erfolgreichsten Arztreihe „Dr. Norden“, ist mittlerweile 83 Jahre alt. Sie selbst sind erst 57. Wann werden Sie damit aufhören, Heftromane zu schreiben? (Frau Vandenberg ist inzwischen verstorben)

Meine Mutter hat ihren letzten Heftroman im Alter von 80 Jahren geschrieben. Ich hoffe, dass ich genauso lange schreiben kann. Es ist einfach wunderbar, Geschichten zu entwickeln und zu erzählen. Wenn man einmal angefangen hat, kann man nicht mehr mit dem Schreiben aufhören.

Sind Sie in der Künstlersozialversicherung? Was passiert, wenn Sie mal krank sind?

Als ich mit dem hauptberuflichen Schreiben anfing, gab es die Künstlersozialversicherung noch nicht, so dass ich eine private Krankenversicherung abschließen musste und freiwillige Beiträge in die Rentenkasse einzahlte. Heute ist es einfacher. Dank der Künstlersozialversicherung hat jeder hauptberufliche Schriftsteller eine Kranken- und eine Rentenversicherung. Ich bin der KSV gleich im ersten Jahr ihres Bestehens beigetreten.

Im Falle einer Krankheit, die mich am Arbeiten hindert, bekomme ich von meiner Krankenkasse nach sechs Wochen Krankengeld.

Zukunft und Tipps für „junge“ AutorInnen

Was ist zu tun, was sollte man beachten, wenn man Heftromane schreiben will?

Bevor man sich an einen Verlag wendet, sollte man sich genau über das Verlagsprogramm informieren und wenigstens ein paar Heftromane des Verlags gelesen haben. Von Vorteil ist es, sich im Vorfeld zu erkundigen, welche Lektorinnen die einzelnen Reihen und Serien betreuen. Besonders mutige Autoren können auch vorher die Lektorin anrufen und sie fragen, ob sie ein Exposé einreichen dürfen.

Wichtig ist ein kurzes Anschreiben, dem ein Exposé (Hauptpersonen und chronologischer Handlungsablauf) und eine etwa 20 Seiten lange Leseprobe des Romans beigefügt sind. Im Anschreiben kann noch erwähnt werden, weshalb man sich ausgerechnet für diese Reihe interessiert. Frankierten Rückumschlag nicht vergessen!

Dann heißt es warten! Die meisten Lektorinnen bekommen täglich mehrere nicht angeforderte Manuskripte. Also bitte nicht schon nach einer Woche nachfragen, was mit dem Exposé ist.

Wenn man sich als Schriftstellerin selbständig macht, gehört eine Menge Disziplin dazu, auch am Ball zu bleiben. Es nützt nichts, die Arbeit vor sich herzuschieben. Manchmal hat man keine Lust zum Schreiben, auch das kommt vor, oder man hat dringende andere Arbeiten zu erledigen, möchte vielleicht lieber mit Freunden oder der Familie zusammen sein. Selbständigkeit heißt, für alles selbst verantwortlich zu sein. Geld gibt es nur für eine abgelieferte Arbeit, nicht für einen Roman, der seit Wochen auf seine Vollendung wartet. Und es ist auch wichtig, ab und zu eine Nacht durchzuarbeiten, wenn es sich um eine Terminarbeit handelt und man irgendwie mit dem Schreiben nicht weitergekommen ist. Nachtarbeit ist bei mir meistens angesagt, wenn ich in den Urlaub gehen möchte und vorher noch einen Roman abliefern muss.

In der Selbständigkeit gibt es keinen pünktlichen Feierabend, andererseits kann man sich die Arbeit so einteilen, wie man möchte. Man darf nur nicht vergessen, dass ein freier Tag, oder auch nur ein freier Nachmittag, wieder eingeholt werden muss.

Gibt es Romanreihen, bei denen es leichter ist einzusteigen?

Ich glaube, dass es leichter ist, bei allgemeinen Reihen einzusteigen, weil für diese Reihen meistens mehrere Autoren arbeiten. Bei Serien sind die Autoren gewöhnlich festgelegt und man muss schon das Glück haben, dass jemand ausfällt.

Angenommen eine Nichte von Ihnen wollte Heftromane schreiben. Würden Sie ihr Vorhaben gutheißen und sie dabei unterstützen?

Wenn ich eine Nichte hätte, würde ich alles tun, um ihr den Einstieg in dieses Metier zu ermöglichen und zu erleichtern. Trotz einiger Schattenseiten ist es ein Traumberuf.

Angeblich wird immer weniger gelesen. Haben Heftromane und damit das Schreiben von Heftromanen Ihrer Meinung nach eine Zukunft?

Ob weniger gelesen wird, kann ich nicht beurteilen. Die meisten jungen Leute, die ich kenne, lesen gerne. Angesichts der hohen Preise, die für ein Hardcover-Buch und auch oft für Taschenbücher bezahlt werden müssen, hat der Heftroman sicher eine Zukunft. Wer kann es sich bei der heutigen Wirtschaftslage schon mehrmals im Jahr leisten, für ein Buch zwischen 19,90 und 29,90 Euro auszugeben?

Eben fiel der Name Patricia Vandenberg. Hatten Sie Vorbilder?

Vorbilder in Bezug auf Heftromane hatte ich nie, aber als junges Mädchen wünschte ich mir, so schreiben zu können wie Viktoria Holt, Mary Steward und Dorothy Eden.

Wenn Sie nicht gerade schreiben, was und von wem lesen Sie gerne etwas?

Ich lese sehr gern archäologische und geschichtliche Bücher, gerne aber auch Romane von Barbara Wood, V. C. Andrews, Madeleine Brant, Robin Cook, Leon Uris, Daphne du Maurier, Mary Higgins Clark und Judith Merkle Riley.